Return   Facebook

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Ridván 2003

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde,

Während der Fünfjahresplan in sein drittes Jahr eintritt, gewinnt er an Schwungkraft: Was im gerade zu Ende gegangenen Jahr erreicht wurde, übertrifft die Errungenschaften der zwölf Monate zuvor bei weitem. Diese Schwungkraft verdankt ihre Intensität ebenso sehr der zunehmenden Stimmigkeit der einzelnen Elemente des Plans wie auch der antreibenden Wirkung des Geistes der Unruhe, der den ganzen Planeten umfängt.

Die Umstände, die den Beginn dieses neuen administrativen Jahres begleiten, sind in ihrer Bedeutung zugleich kritisch, herausfordernd und außerordentlich. Das vergangene Jahr durchzog von Anfang bis Ende eine Reihe von Krisen, die schließlich im Ausbruch des Krieges im Nahen Osten gipfelten. Was aus all dem erwächst, ist für den Fortschritt der Gemeinde des Größten Namens nicht weniger bedeutsam wie für die Entwicklung einer zunehmend globalen Gesellschaft, die sich in den Wirren einer turbulenten Umbruchszeit befindet. Zeitpunkt, Ausmaß und Richtung dieses Umbruchs waren natürlich nicht vorhersehbar. Wie rasch hat sich doch der gegenwärtige Wandel in den Geschicken der Welt vollzogen! In dem sich daraus ergebenden Konflikt, in den so augenfällig jene Länder verwickelt sind, in denen die Frühgeschichte des Glaubens Gestalt annahm, sehen wir eine erneute Erinnerung an Bahá'u'lláhs Warnung, dass "die Welt [...] aus dem Gleichgewicht geraten [ist] durch die Schwungkraft dieser größten, dieser neuen Weltordnung". Dass die Ereignisse dieser Krise sich direkt in einem Gebiet abspielen, dem der Glaube ein so reiches Erbe verdankt, wie dem Irak, ist besonders beachtenswert.

Die Zerrissenheit, die hierdurch wie auch durch andere Zustände in der Welt hervorgerufen wurde, deutet zum einen darauf hin, dass ein neues Kapitel aufgeschlagen wird in der Geschichte der hochgeschätzten aber so schmerzlich unterdrückten Bahá'í-Gemeinde eines Landes, in dem sich die Manifestation Gottes für diesen Tag ein ganzes Jahrzehnt aufhielt. Zum anderen hat sie die Vorbereitungen auf die Neunte Internationale Tagung am Weltzentrum unseres Glaubens zunichte gemacht. Doch wie groß die Enttäuschung hierüber auch sein mag, es ist kein Anlass zur Bestürzung. Wenn der Größere Plan Gottes Seinen Geringeren Plan beeinträchtigt, dann wird zweifellos die Vorsehung zu gegebener Zeit einen Weg zu großartigen Möglichkeiten eröffnen, die Interessen Seiner glorreichen Sache voranzubringen.

Die Sorgen, Ängste und Verwirrungen, welche dieser jüngste Konflikt im Zuge der Entfaltung des Geringeren Friedens hervorgerufen hat, haben den Missmut und die Empörung angesichts der wiederkehrenden Krisen, die den Planeten aufrühren, noch verstärkt. Die Ängste zahlreicher Menschen weltweit entladen sich nun öffentlich in wütenden Demonstrationen, die zu überwältigend sind, um ignoriert zu werden. Die Themen ihres Protests und die hervorgerufenen Emotionen tragen oftmals noch zu dem Chaos und der Verwirrung bei, die sie durch solche öffentlichen Bekundungen zu überwinden hoffen. Für die Freunde Gottes gibt es eine unzweideutige Erklärung für alles was da geschieht; sie müssen sich nur die Vision und die Prinzipien vergegenwärtigen, die der Glaube aufweist, wenn sie den Herausforderungen des Umsichgreifens von Elend und Schrecknissen wirkungsvoll begegnen wollen. Sie sollten sich bemühen, die betreffenden Lehren noch gründlicher zu verstehen, indem sie die Briefe Shoghi Effendis studieren, die in der "Weltordnung Bahá'u'lláhs" veröffentlicht sind, insbesondere jene mit der Überschrift "Das Ziel: die neue Weltordnung", "Amerika und der Größte Friede" und "Die Entfaltung der Weltkultur".

Während die Welt ihren tumultartigen Kurs fortsetzt, hat der Fünfjahresplan ein Leistungsvermögen erreicht, das unsere Gemeinde befähigt, mit Riesenschritten auf ihr Hauptziel, nämlich den Prozess des Beitritts in Scharen voranzubringen, hin zu bewegen. Die Einzelheiten dieses so ermutigenden Standes der Angelegenheiten des Glaubens auf allen fünf Kontinenten sind bereits in unserem Brief vom 17. Januar dargelegt worden; wir laden Sie ein, ihn eingehender zu studieren. Nur einige Schlüsselelemente sollen hier herausgestellt werden: In 179 Ländern ist die Aufteilung in Regionalbereiche abgeschlossen; es gibt etwa 17.000 dieser Keimzellen der Ausbreitung. Beratungstreffen auf Regionalbereichsebene sind zu einem kraftvollen Mittel geworden, um über Institutionen und Ortschaften hinaus Einheit im Denken und Handeln herzustellen; in einem Geist gegenseitiger Unterstützung liefern sie wirkungsvolle Anregungen für Initiativen von Institutionen und Einzelnen. Noch deutlicher als zuvor hat der Institutsprozess seinen Einfluss als treibende Kraft für Ausbreitung und Festigung bewiesen. Die Kernaktivitäten des Planes haben ein Ausmaß erreicht, welches das Maß des vergangenen Jahres weit übersteigt. Als ein Ergebnis sind nun weltweit immer mehr Freunde aktiv am Lehren und an der Verwaltungsarbeit beteiligt und zeigen jenen ansteckenden Geist der Zuversicht, der den Enthusiasmus ihrer Bemühungen nährt. Jugendliche und Kinder werden systematischer in die Programme der Gemeinde eingebunden, und Nicht-Bahá'í nehmen zahlreicher an Studienkreisen, Andachtsversammlungen und Kinderklassen teil. Es ist in der Tat ermutigend zu sehen, wie sich in der kurzen Zeit seit Beginn des Planes diese drei Kernaktivitäten, die zuvor in vielen Gemeinden nur sporadisch stattfanden, vervielfacht haben und zu festen Bestandteilen des Gemeindelebens geworden sind. Dies ist also die Momentaufnahme einer Weltgemeinde, konzentriert und in Bewegung wie nie zuvor.

Während dieses Muster des Wachstums in der Ausführung des Planes fester verankert wurde, vollzogen sich im vergangenen Jahr noch andere wichtige Entwicklungen. Auf dem Feld der Außenbeziehungen waren die Einrichtungen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde an Aktivitäten beteiligt, zu zahlreich und vielfältig, um es hier beschreiben zu können; dennoch waren die Auswirkungen insgesamt zu eindrucksvoll, um sie hier gänzlich unerwähnt zu lassen. Höhepunkt dieser Aktivitäten war die Botschaft, die wir im letzten April an die religiösen Führer der Welt gerichtet haben. Dies brachte einen neuen Impuls für das Vorgehen der Bahá'í- Gemeinde, um die Aufmerksamkeit der einflussreichsten Teile der Gesellschaft auf solche Themen zu lenken, die für die Sicherung des Friedens in der Welt von entscheidender Bedeutung sind. Durch die Koordination seitens des Büros für Öffentlichkeitsarbeit der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und die unverzügliche Ausführung seitens der Nationalen Geistigen Räte wurde die Botschaft in kurzer Zeit an die höchsten Würdenträger und weiteren Ebenen religiöser Gemeinschaften weltweit verteilt. Der Zweck der Initiative besteht darin, die Aufmerksamkeit aller Betroffenen auf die dringende Notwendigkeit zu lenken, dass sich die Führung der Religionen mit dem Problem religiöser Vorurteile befasst, welches zu einer zunehmend größeren Gefahr für das menschliche Wohlergehen wird. Die unmittelbare Reaktion zahlreicher Empfänger deutet darauf hin, dass die Botschaft ernst genommen wird und sie an einigen Orten den interreligiösen Aktivitäten sogar neue Perspektiven verleiht.

Auf dem Gebiet sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung wurde ein Tempo erreicht, welches den Ergebnissen institutioneller wie individueller Anstrengungen, ob auf die innere Entwicklung der Gemeinde oder auf die Zusammenarbeit der Gemeinde mit anderen gerichtet, immer tiefer seinen Stempel aufdrückt. Das Büro für soziale und wirtschaftliche Entwicklung berichtet, dass im zweiten Jahr des Planes acht neue Bahá'í- inspirierte Einrichtungen ins Leben gerufen wurden, die auf so unterschiedlichen Gebieten wie der Förderung der Frauen, Gesundheit, Landwirtschaft, Kindererziehung und Stärkung der Jugend tätig sind.

Im Heiligen Land wurde die englische Übersetzung des als Javáhiru'l-Asrár bekannten arabischen Sendschreibens Bahá'u'lláhs unter dem Titel "Gems of Divine Mysteries" veröffentlicht. Die Restaurierung der Zelle Bahá'u'lláhs im Gefängnis von 'Akká wurde abgeschlossen und die Arbeit an dem restlichen oberen Stockwerk im Bereich der Gefängniszelle begonnen. Von der kommenden Pilgersaison an, die im Oktober 2003 beginnt, wird die Zahl der Pilger in jeder Gruppe von 150 auf 200 erhöht.

Des Weiteren waren die Bemühungen um die Entfaltung der Institutionen am Weltzentrum besonders deutlich in der anhaltenden Entwicklung der Institution der Huqúqu'lláh unter der herausragenden Führung des Treuhänders, der Hand der Sache Gottes 'Alí-Muhammad Varqá, sichtbar. Durch sein weises Handeln und ständiges Bemühen hat Dr. Varqá die Unterweisung der Freunde allerorten hinsichtlich des Gesetzes der Huqúqu'lláh angeregt. In den zehn Jahren seitdem dieses Gesetz weltweite Anwendung gefunden hat, wurde ein Netzwerk nationaler und regionaler Treuhänderämter geschaffen, das den Dienst einer wachsenden Zahl von Treuhändern und Bevollmächtigten koordiniert und anleitet. Die Kenntnis dieses bedeutenden Gesetzes hat sich weithin verbreitet, und auf allen Kontinenten folgen ihm die Freunde mit einem Geist der Hingabe, der, wie der Treuhänder hofft, jene berühren wird, die noch nicht an den verheißenen Segnungen teilhaben, welche die Befolgung dieses Gesetzes mit sich bringt.

In den annähernd zwei Jahren seitdem wir bekannt gegeben haben, dass die angemessene Instandhaltung der Gebäude und Gärten am Weltzentrum besonderer finanzieller Unterstützung bedarf, wurde der Weltzentrum-Stiftungsfonds eingerichtet. Die Beiträge haben noch nicht die Höhe des jährlichen Bedarfs erreicht. Wir fühlten uns jedoch verpflichtet, fünf Millionen Dollar der eingegangenen Spenden als zweckgebundenen Fonds für den Grundstock eines Anlagevermögens vorzusehen, dessen Erträge dem ursprünglichen Zweck dienen sollen. Hierfür haben wir Mittel aus dem Internationalen Bahá’í-Fonds herangezogen, um zur Deckung der notwendigen Ausgaben beizutragen, wobei Aktivitäten auf anderen Gebieten, die andernfalls durchgeführt worden wären, aufgeschoben wurden.

Mit großer Freude geben wir bekannt, dass Architekten und Konstrukteure aus aller Welt dem Aufruf des Nationalen Geistigen Rates von Chile gefolgt sind und 185 Entwürfe für den Muttertempel Südamerikas, der in Santiago errichtet werden soll, eingereicht haben. Zu gegebener Zeit wird die Entscheidung bekannt gegeben.

Liebe Freunde: Erfreut über die weit und breit deutlich sichtbaren Anzeichen des Fortschritts vertrauen wir auf die fortdauernden Bestätigungen unseres Höchsten Herrn für Ihre ergebenen Bemühungen im Rahmen des Fünfjahresplanes – eines Planes, der den Erfordernissen dieser Zeit entsprechend angelegt ist. Möge Ihre Beharrlichkeit bei seiner Umsetzung jene noch gezügelten Kräfte freisetzen, die durch die Gnade und Gunst der Abhá-Schönheit in mächtigen Schüben den Prozess des Beitritts in Scharen in jedem Land voranbringen können.

 

Windows / Mac