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Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Ridván 1988

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde,

In dieser strahlenden, festlichen Zeit grüßen wir Sie alle im Geiste erneuerter Hoffnung.

Ein Silberstreif im dunklen, die größte Zeit dieses Jahrhunderts überschattenden Bild erhellt nun den Hori- zont. Er ist in den neuen Strömungen, die die laufenden sozialen Prozesse in aller Welt vorantreiben, und in den Anzeichen einer beschleunigten Entwicklung zum Frieden erkennbar. Im Glauben Gottes ist es die wach- sende Kraft der Ordnung Bahá’u’lláhs, während sein Banner sich zu immer stattlicheren Höhen erhebt. Es ist eine Kraft, die anzieht. Die Medien schenken der Bahá’í-Weltgemeinde immer größere Aufmerksamkeit; Auto- ren erkennen ihre Existenz in einer immer größer werdenden Anzahl von Artikeln, Büchern und Nachschlage- werken an, eines der angesehensten von ihnen zählte den Glauben vor kurzem du der am weitesten verbreiteten Religion nach dem Christentum. Eine bemerkenswerte Entfaltung des Interesses an dieser Gemeinde von Re- gierungen, Behörden, herausragenden Persönlichkeiten und humanitären Organisationen wird immer stärker offenbar. Es werden nicht nur die Gesetze und Prinzipien, die Organisationsform und die Lebensart unserer Gemeinde geprüft, sondern auch ihr Rat und ihre aktive Unterstützung bei der Beseitigung von gesellschaftli- chen Problemen und der Durchführung humanitärer Aktionen gesucht.

Eine begeisternde Konsequenz dieser vorteilhaften, miteinander verknüpften Entwicklungen ist das Sicht- barwerden neuer Muster von Möglichkeiten zum weiteren Wachstum und zur weiteren Festigung unserer weltweiten Gemeinde. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen haben sich neue Aussichten für das Lehren der Sa- che entfaltet. Diese werden durch jüngste Ergebnisse neuer Lehraktivitäten bestätigt, die vielerorts gefördert werden, da immer mehr nationale Gemeinden Zeuge der Anfänge jenes Eintritts in Scharen werden, der uns vom geliebten Meister versprochen wurde und von dem Shoghi Effendi sagte, dass dies zur Massengewinnung führen würde. Die unmittelbaren Möglichkeiten dieser durch die Vorsehung bewirkten Situation zwingen uns zu der Erwartung, dass die Ausbreitung der Gemeinde des Größten Namens, so wie sie noch nie dagewesen ist, tatsächlich bevorsteht.

Der Funke, der das wachsende Interesse an der Sache Bahá’u’lláhs entzündete, war die heldenhafte Stand- haftigkeit und Ausdauer der geliebten Freunde im Iran, die die Bahá’í-Weltgemeinde dazu bewegte einen stän- digen, sorgfältig koordinierten Appell an das Weltgewissen zu richten. Diese große Aktion, die die gesamte Gemeinde, in ihrem Handeln in der administrativen Ordnung geeint, einbezog, wurde von gleichermaßen wirk- samen und sichtbaren Aktivitäten dieser Gemeinde in anderen Gebieten begleitet, die bereits anderweitig er- wähnt wurden. Gleichwohl fühlen wir uns veranLasst zu erwähnen, dass ein wichtiges Ergebnis dieser ausge- dehnten Bemühungen unsere Anerkennung einer neuen Phase in den auswärtigen Angelegenheiten unseres Glaubens ist, gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Reifung der Nationalen Geistigen Räte in ihren wachsen- den Beziehungen mit Regierungen und nichtstaatlichen Organisationen sowie zu der Öffentlichkeit im allge- meinen.

Durch diese Anerkennung wurde im vergangenen November in Deutschland ein Treffen veranLasst, zu dem sich nationale Bahá’í-Repräsentanten in auswärtigen Angelegenheiten aus Europa und Nordamerika und lei- tende Vertreter der Abteilungen der Internationalen Bahá’í-Gemeinde versammelten, um eine stärkere Ab- stimmung ihrer Arbeit zu erreichen. Dies war ein erster Schritt, um nach und nach weitere Nationale Geistige Räte in ein harmonisch funktionierendes internationales Netzwerk zu integrieren, das fähig ist, weltweite Un- ternehmungen in diesem sich rasch ausbreitenden Feld auszuführen. Mit diesen Entwicklungen verbunden war im letzten Oktober die herausragende Errungenschaft der internationalen Anerkennung des Glaubens durch die formelle Aufnahme in das Netzwerk für Umweltschutz und Religionen des angesehenen »World Wide Fund for Nature«.

Während einer der dunkelsten Abschnitte der fortwährenden Unterdrückung der innig geliebten, unerschüt- terlich standhaften Freunde im Iran fühlte sich Shoghi Effendi bewegt, sie in einem mit erstaunlicher Einsicht verfassten Brief zu trösten. »Es ist das Vergießen des geheiligten Blutes der Märtyrer in Persien«, schrieb er, »das in dieser strahlenden Ära, dieser leuchtenden und edelsteinbesetzten Bahá’í-Epoche das Antlitz dieser Erde in den höchsten Himmel verwandeln und, wie in den Sendschreiben offenbart, das Tabernakel der Einheit der Menschheit im Herzen der Welt errichten wird; es wird die Wirklichkeit der Einheit der Menschenrasse den Augen enthüllen, den Größten Frieden errichten und aus diesem niedrigen Reich eine Widerspiegelung des Abhá-Paradieses machen, und vor den Völkern der Welt - erhaben über jeden Zweifel - die Wahrheit des Ver- ses begründen: '...der Tag an dem die Erde in eine andere Erde verwandelt werden wird’. « Betrachtungen wie diese, die derart wunderbare, künftige Auswirkungen der schrecklichen Leiden aufzeigen, denen unsere irani- schen Freunde ausgesetzt sind, beleuchten die Gelegenheit und Herausforderung, denen wir uns alle in diesem entscheidenden Zeitpunkt in den Geschicken der Sache gegenübersehen.

Die großen, bereits begonnenen Projekte müssen ihrer Vollendung zugeführt werden. Die Terassen unter- halb und oberhalb des Schreins des Báb und der Bogen am Berg Karmel sind zu vollenden und werden so die herrliche Vision der Entfaltung von Gottes heiligem Berg erfüllen. Der zweite Weltkongress muss in der Stadt des Bündnisses abgehalten werden, um den hundertsten Jahrestag der Einführung dieses Bündnisses zu feiern. Die ständig fortschreitende Arbeit an der Übersetzung und Kommentierung des Kitáb-i-Aqdas, des Heiligsten Buches, muss zur Veröffentlichung hingeführt werden. Das Interesse, das die Freunde am Gesetz des Huqúq’ulláh zeigen, muss gefördert werden. Pioniere und Reiselehrer müssen hinausschwärmen. Die Ausga- ben der Sache müssen beglichen werden. Alle Ziele des Sechsjahresplanes müssen erfüllt werden.

Das alles überragende Ziel jeder Bahá’í-Aktivität ist jedoch das Lehren. Alles was bisher getan wurde oder künftig getan werden wird, bezieht sich auf diese zentrale Tätigkeit, den »Grundstein des Fundamentes selbst«, von dem sämtlicher Fortschritt der Sache abhängt. Die jetzige Herausforderung verlangt ein Lehren von einem Ausmaß und einer Qualität, einer Vielfalt und Intensität, das alle bisherigen Anstrengungen überragt. Jetzt ist die Zeit, damit bei den rasch wechselnden Launen einer rasenden Welt die Gelegenheit nicht verlorengeht. Man soll jedoch nicht glauben, dass Zweckmäßigkeit das wesentliche Motiv ist, dem dieses Gefühl der Dringlichkeit entspringt. Da ist ein alles überragender Grund: es ist die beklagenswerte Lage der großen Mehrheit der Men- schen, die leidend und in großer Unruhe nach Aufrichtigkeit hungern, aber »der Einsicht beraubt sind, Gott mit eigenen Augen zu sehen, oder Seine Weise mit eigenen Ohren zu hören«. Sie müssen gespeist werden. Eine Zukunftsvision muss wiederhergestellt werden, wo Hoffnung verlorengegangen ist; Zuversicht muss aufgebaut werden, wo Zweifel und Verwirrung herrschen. In diesem und in anderem Zusammenhang wurde »Die Verhei- ßung des Weltfriedens« geschaffen, um den Weg zu öffnen. Ihre Überreichung an die führenden Staatsmänner ist praktisch abgeschlossen; ihr Inhalt muss nun mit allen möglichen Mitteln den Menschen überall und in allen gesellschaftlichen Bereichen übermittelt werden. Dies ist ein notwendiger Bestandteil des Lehrens in der heuti- gen Zeit und muss mit unvermindertem Nachdruck vorangetrieben werden.

Das Lehren ist die Nahrung des Geistes; es bringt Leben zu den unerweckten Seelen und erhebt den neuen Himmel und die neue Erde; es errichtet das Banner einer geeinten Welt; es sichert den Sieg des Bündnisses und bringt denen, die ihm ihr Leben geben, das himmlische Glück, das Wohlgefallen ihres Herrn erreicht zu haben.

Jeder Gläubige - Männer wie Frauen, Jugendliche wie Kinder - ist auf dieses Feld des Handelns gerufen, denn es liegt an der Initiative und dem entschlossenen Willen des Einzelnen, zu lehren und zu dienen, von dem der Erfolg der gesamten Gemeinde abhängt. Wohlbegründet im mächtigen Bündnis Bahá’u’lláhs, gefestigt durch tägliches Gebet und Lesen des Heiligen Wortes, gestärkt durch das fortwährende Streben ein tieferes Verständnis der göttlichen Lehren zu erreichen, erleuchtet durch das ständige Bemühen, diese Lehren mit den Themen der Zeit in Beziehung zu setzen, genährt durch die Beachtung der Gesetze und Prinzipien Seiner wun- derbaren Weltordnung, kann jeder einzelne ein wachsendes Maß an Erfolg im Lehren erreichen. Der letztliche Triumph der Sache ist, zusammengefasst, durch jenes »eine«, und nur jenes »eine« zugesichert, das von Shog- hi Effendi so eindringlich betont wurde, nämlich »das Ausmaß, in dem unser eigenes inneres Leben und unser persönlicher Charakter in ihren vielfältigen Ausprägungen den Glanz jener ewigen, von Bahá’u’lláh verkünde- ten Prinzipien widerspiegeln«.

Geliebte Freunde, - Sie, die Sie von unserem Höchst Geliebten, der Gesegneten Schönheit, als der »Trost für das Auge der Schöpfung«, als das »sanft fließende Wasser, von dem das eigentliche Leben aller Menschen abhängt«, angesprochen sind - wir fordern Sie mit aller Ernsthaftigkeit und unserer tiefsten Überzeugung von der Reife dieses Zeitpunkts auf, jedes unbedeutende Bedenken beiseite zu legen und Ihre Kräfte auf das Lehren Seiner Sache zu lenken - um sie zu verkünden, auszubreiten und zu festigen. Sie dürfen Ihre Aufgabe in voller Zuversicht angehen, dass dieses deutlich vor Ihnen ausgebreitete Feld des Fortschritts dem Wirken jener »gött- lich geborenen Macht« entspringt, die »im innersten Sein aller erschaffenen Dinge pulsiert« und die, »handelnd sogar als ein zweischneidiges Schwert, unter unseren eigenen Augen einerseits die uralten Bande zerreißt, die seit Jahrhunderten das Gewebe der zivilisierten Gesellschaft zusammenhalten, und andererseits die Fesseln löst, die noch immer den jungen und noch unfreien Glauben Bahá’u’lláhs zügeln.«

Haben Sie weder Furcht noch Zweifel. Die Macht des Bündnisses wird Ihnen helfen, Sie beleben und jedes Hindernis auf Ihrem Weg beseitigen. »Er wird wahrlich jedem helfen der Ihm hilft, und jedem gedenken der an Ihn denkt.« Sie haben unsere anhaltende Zusicherung unserer innigen und ständigen Gebete für Sie alle.

 

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