Return   Facebook

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Ridván 2021

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde,

1 die letzten Worte eines äußerst denkwürdigen Kapitels in der Geschichte der Sache sind nun geschrieben, und eine neue Seite wird aufgeschlagen. Dieses Riḍván markiert den Abschluss eines außergewöhnlichen Jahres, eines Fünfjahresplans und einer ganzen Serie von Plänen, die 1996 begannen. Eine neue Serie von Plänen erwartet uns, mit einer vielversprechenden, bedeutsamen Periode von zwölf Monaten als Auftakt für eine neunjährige Anstrengung, die mit dem nächsten Riḍván beginnen soll. Vor uns sehen wir eine Gemeinde, die schnell an Stärke gewonnen hat und bereit ist, große Schritte vorwärts zu machen. Wir dürfen uns aber keinen falschen Vorstellungen darüber hingeben, wie viel Mühe es erforderte, um diesen Punkt zu erreichen, und wie hart erkämpft die dabei gewonnenen Erkenntnisse waren: Das auf diesem Weg Gelernte wird die Zukunft der Gemeinde prägen, und die Berichte darüber, wie es erworben wurde, werfen ein Licht auf das, was kommen wird.

2 Die Jahrzehnte vor 1996, die selbst reich an eigenen Fortschritten und Einsichten waren, hatten keinen Zweifel daran gelassen, dass eine große Anzahl von Menschen in vielen Gesellschaften bereit wäre, unter das Banner des Glaubens zu treten. Dennoch, so ermutigend die Beispiele von Erklärungen in großem Ausmaß auch waren, sie entsprachen nicht einem nachhaltigen Wachstumsprozess, der in unterschiedlichen Umfeldern hätte kultiviert werden können. Die Gemeinde sah sich tiefgreifenden Fragen gegenübergestellt, für deren angemessene Beantwortung sie zu diesem Zeitpunkt nur unzureichende Erfahrung besaß. Wie konnten die Bemühungen um Ausbreitung Hand in Hand gehen mit dem Prozess der Festigung, und wie konnte die langjährige, scheinbar unlösbare Herausforderung gemeistert werden, das Wachstum aufrechtzuerhalten? Wie konnten Einzelne, Institutionen und Gemeinden aufgebaut werden, die fähig sein würden, Bahá’u’lláhs Lehren in die Tat umzusetzen? Und wie konnten diejenigen, die von den Lehren angezogen wurden, zu Protagonisten in einem globalen geistigen Unterfangen werden?

3 So kam es, dass vor einem Vierteljahrhundert eine Bahá’í-Gemeinde, die damals noch drei Hände der Sache Gottes in ihren vordersten Reihen zählen konnte, einen Vierjahresplan in Angriff nahm, der sich von den vorangegangenen dadurch unterschied, dass er sich auf ein einziges Ziel konzentrierte: einen bedeutenden Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen. Dieses Ziel sollte auch die Serie der folgenden Pläne bestimmen. Die Gemeinde hatte inzwischen verstanden, dass es bei diesem Prozess nicht nur um den Beitritt größerer Gruppen in den Glauben ging und dass dieser auch nicht spontan erfolgen würde; zielgerichtete, systematische und beschleunigte Ausbreitung und Festigung würden vonnöten sein. Diese Arbeit würde die kundige, bewusste Teilnahme sehr vieler Menschen erfordern, und 1996 wurde die Bahá’í-Welt aufgerufen, die enorme Herausforderung anzunehmen, die ein solcher Erziehungs- und Bildungsprozess mit sich brachte. Sie wurde aufgerufen, ein Netzwerk von Trainingsinstituten zu errichten, die das Ziel hatten, einen wachsenden Strom von Menschen zu generieren, die über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen würden, um den Wachstumsprozess aufrechtzuerhalten.

4 Die Freunde nahmen diese Aufgabe in Angriff, wohl wissend, dass sie trotz ihrer früheren Erfolge auf dem Feld des Lehrens offenbar noch viel darüber lernen mussten, welche Fähigkeiten sie erwerben sollten und – ganz entscheidend – wie sie diese erwerben konnten. In vielerlei Hinsicht lernte die Gemeinde im Handeln und die daraus gewonnenen Erkenntnisse fanden, nachdem sie wiederholt über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Umfeldern angewandt und dadurch kondensiert und verfeinert worden waren, schließlich Eingang in Bildungsmaterialien. Man erkannte, dass bestimmte Aktivitäten eine natürliche Antwort auf die geistigen Bedürfnisse einer Bevölkerung waren. Studienkreise, Kinderklassen, Andachtstreffen und später Juniorjugendgruppen waren in dieser Hinsicht von zentraler Bedeutung, und wenn sie mit dazu gehörenden Aktivitäten verwoben wurden, konnte die dadurch entstandene Dynamik zu einem lebendigen Muster des Gemeindelebens führen. Und als die Zahl der Teilnehmer an diesen Kernaktivitäten zunahm, wurde deren ursprünglicher Zweck um eine neue Dimension erweitert. Sie erwiesen sich als Portale, durch die Jugendliche, Erwachsene und ganze Familien aus der umgebenden Gesellschaft mit der Offenbarung Bahá’u’lláhs in Berührung kommen konnten. Es wurde auch deutlich, wie praktisch es war, Strategien für die Arbeit der Gemeindebildung im Kontext des „Clusters“ in Betracht zu ziehen: ein geografisches Gebiet von überschaubarer Größe mit spezifischen sozialen und wirtschaftlichen Merkmalen. Es wurde nach und nach die Fähigkeit kultiviert, einfache Pläne auf der Ebene des Clusters zu erstellen, und aus diesen Plänen entstanden Programme für das Wachstum des Glaubens, welche zunehmend in dreimonatlichen Aktivitätszyklen organisiert wurden. Ein wichtiger Punkt wurde schon früh klar: Die Bewegung von Einzelnen durch eine Abfolge von Kursen gibt der Bewegung von Clustern entlang eines Entwicklungskontinuums Impulse und wird wiederum von ihr weiter aufrechterhalten. Diese komplementäre Beziehung half den Freunden überall, die Dynamik des Wachstums in ihrem eigenen Umfeld einzuschätzen und einen Weg hin zu größerer Stärke aufzuzeigen. Im Laufe der Zeit erwies es sich als fruchtbar, das Geschehen in einem Cluster sowohl aus der Perspektive der drei Erziehungsaufträge zu betrachten – dem Dienst an Kindern, Juniorjugendlichen sowie Jugendlichen und Erwachsenen – als auch aus der Perspektive der für den Wachstumsrhythmus wesentlichen Aktivitätszyklen. Schon bald auf dem Weg dieses fünfundzwanzigjährigen Unterfangens waren viele der am deutlichsten erkennbaren Merkmale des Wachstumsprozesses, den wir heute sehen, dabei sich gut zu etablieren.

5 Als die Bemühungen der Freunde sich intensivierten, kristallisierten sich verschiedene Prinzipien, Konzepte und Strategien von allgemeingültiger Bedeutung für den Wachstumsprozess zu einem Handlungsrahmen heraus, der sich weiterentwickeln konnte, um neue Elemente aufzunehmen. Dieser Handlungsrahmen erwies sich als grundlegend für die Freisetzung einer enormen Vitalität. Er half den Freunden, ihre Energien auf eine Weise zu kanalisieren, die, wie die Erfahrung gezeigt hatte, für das Wachstum gesunder Gemeinden förderlich war. Aber ein Handlungsrahmen ist keine Formel. Durch die Berücksichtigung der verschiedenen Elemente des Handlungsrahmens bei der Beurteilung der Realität eines Clusters, eines Ortes oder einfach einer Nachbarschaft konnte ein Handlungsmuster entwickelt werden, das sich auf das stützte, was die übrige Bahá’í-Welt im Begriff war zu lernen, während es gleichzeitig auf die Besonderheiten jedes speziellen Ortes einging. Eine Dichotomie zwischen starren Anforderungen einerseits und uneingeschränkten persönlichen Vorlieben andererseits wurde von einem differenzierteren Verständnis der Vielfalt der Mittel abgelöst, mit denen Einzelne einen Prozess unterstützen konnten, der im Kern kohärent war und als gesammelte Erfahrung kontinuierlich verfeinert wurde. Es sollte keinen Zweifel an dem Fortschritt geben, den das Hervortreten dieses Rahmens darstellt: Die Implikationen für die Harmonisierung und Vereinigung d er Bemühungen der gesamten Bahá’í-Welt und die Förderung ihres weiteren Voranschreitens waren von großer Bedeutung.

6 Als ein Plan auf den anderen folgte und das Engagement für die Arbeit der Gemeindebildung auf eine breitere Basis gestellt wurde, zeichneten sich deutlichere Fortschritte auf der Ebene der Kultur ab. Zum Beispiel wurde die Bedeutung der Erziehung und Bildung der jüngeren Generationen mehr und mehr gewürdigt, so wie auch das außergewöhnliche Potenzial, das insbesondere der Juniorjugend innewohnt. Dass Menschen sich gegenseitig auf einem gemeinsamen Weg unterstützen und begleiten und dabei den Kreis der gegenseitigen Hilfe ständig erweitern, wurde zu einem Muster für alle Bemühungen, die darauf abzielten, Fähigkeiten zum Dienen zu entwickeln. Sogar die Interaktionen der Freunde untereinander und mit ihren Mitmenschen änderten sich mit dem wachsenden Bewusstsein der Kraft, mit der bedeutungsvolle Gespräche geistige Empfänglichkeit erwecken und fördern können. Und was besonders bedeutsam war: Die Bahá’í-Gemeinden nahmen eine zunehmend nach außen gerichtete Orientierung an. Jeder für die Vision des Glaubens empfängliche Mensch konnte ein aktiver Teilnehmer von Bildungsaktivitäten, Andachtsversammlungen und anderen Elementen gemeindebildender Arbeit werden – sogar als deren Förderer und Durchführender. Viele von ihnen erklärten auch ihren Glauben an Bahá’u’lláh. So entstand ein Verständnis vom Prozess des Beitritts in Scharen, das sich weniger auf Theorien und Annahmen als vielmehr auf tatsächliche Erfahrungen darüber stützte, auf welche Weise viele Menschen den Glauben fanden, sich mit ihm vertraut machten, sich mit seinen Zielen identifizierten, sich an seinen Aktivitäten und Beratungen beteiligten und ihn in vielen Fällen annahmen. In der Tat, indemIndem der Institutsprozess in einer Region nach der anderen gestärkt wurde, stieg die Anzahl derjenigen sprunghaft an, die sich an der Arbeit des Plans beteiligten, und umfasste sogar diejenigen, die den Glauben erst kurz zuvor kennengelernt hatten. Hierbei ging es jedoch nicht um das bloße Interesse an Zahlen. Die Vision von gleichzeitig stattfindendem persönlichem und kollektivem Wandel, gegründet auf das Studium des Wortes Gottes und die Anerkennung der Fähigkeit eines jeden Menschen, Protagonist in einem tiefgreifenden geistigen Drama zu werden, hatte ein Gefühl für die Gemeinsamkeit der Bestrebungen entstehen lassen.

7 Eines der auffälligsten und inspirierendsten Merkmale dieser fünfundzwanzigjährigen Periode war der Dienst der Bahá’í-Jugendlichen, die mit Glauben und Tapferkeit den ihnen gebührenden Platz an der Spitze der Bemühungen der Gemeinde eingenommen haben. Als Lehrer der Sache und Erzieher der Jüngeren, als reisende Tutoren und Pioniere an der Heimatfront, als Clusterkoordinatoren und Mitglieder von Bahá’í-Agenturen haben sich Jugendliche auf fünf Kontinenten erhoben, um ihren Gemeinden mit Hingabe und Opferbereitschaft zu dienen. Die Reife, die sie bei der Erfüllung der Aufgaben bewiesen haben, von denen die Weiterentwicklung des Göttlichen Plans abhängt, zeigt ihre geistige Vitalität und ihr Engagement für die Bewahrung der Zukunft der Menschheit. In Anerkennung dieser immer offensichtlicher werdenden Reife haben wir beschlossen, dass diesem Riḍván unmittelbar folgend zwar das Alter, in dem Gläubige in einen Geistigen Rat gewählt werden können, bei einundzwanzig bleibt, das Alter, in dem Gläubige bei Bahá’í-Wahlen ihre Wahl abgeben dürfen, jedoch auf achtzehn gesenkt wird. Wir haben keinen Zweifel daran, dass mündige Bahá’í-Jugendliche überall unser Vertrauen in ihre Fähigkeit rechtfertigen werden, die „heilige Pflicht“, zu der jeder Bahá’í-Wähler berufen ist, „gewissenhaft und sorgfältig“ zu erfüllen.

8 Wir sind uns bewusst, dass die Gegebenheiten in den Gemeinden natürlich sehr unterschiedlich sind. Verschiedene nationale Gemeinden und verschiedene Orte innerhalb dieser Gemeinden begannen diese Serie von Plänen an verschiedenen Punkten ihrer Entwicklung. Seitdem haben sie sich auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickelt und unterschiedliche Stufen des Fortschritts erreicht. Dies ist an sich nichts Neues. Es war schon immer so, dass sich die Bedingungen an verschiedenen Orten unterscheiden, ebenso wie der Grad der Empfänglichkeit, der dort zu finden ist. Aber wir nehmen auch wahr, dass, wie eine ansteigende Flut, die Kapazität, das Vertrauen und die gesammelten Erfahrungen der meisten Gemeinden zunehmen, beflügelt vom Erfolg ihrer Schwestergemeinden nah und fern. Während es beispielsweise Gläubigen, die sich 1996 erhoben, um einen neuen Ort zu eröffnen, nicht an Mut, Glauben und Hingabe fehlte, kombinieren solche Freunde heute überall dieselben Eigenschaften mit dem Wissen, der Einsicht und den Fertigkeiten, die sich in einer fünfundzwanzig Jahre währenden Anstrengung der gesamten Bahá’í-Welt angesammelt haben, um die Ausbreitungs- und Festigungsarbeit zu systematisieren und zu verfeinern.

9 Eine Gemeinde hat – unabhängig von ihrem Ausgangspunkt – den Wachstumsprozess vorangetrieben, wenn sie die Eigenschaften Glaube, Ausdauer und Engagement mit der Bereitschaft zu lernen verbunden hat. Tatsächlich ist ein bleibendes Vermächtnis dieser Serie von Plänen die weit verbreitete Erkenntnis, dass jede Bemühung voranzukommen mit einer Ausrichtung auf das Lernen beginnt. Die Einfachheit dieses Prinzips täuscht über die Bedeutsamkeit der Implikationen hinweg, die daraus folgen. Wir bezweifeln nicht, dass jeder Cluster mit der Zeit entlang des Kontinuums der Entwicklung voranschreiten wird. Die Gemeinden, die im Vergleich zu denen, deren Gegebenheiten und Möglichkeiten ähnlich waren, am schnellsten vorangekommen sind, haben die Fähigkeit bewiesen, Einheit im Denken zu fördern und mehr über wirksames Handeln zu lernen. Und das taten sie – und sie haben nicht gezögert zu handeln.

10 Eine Verpflichtung zum Lernen bedeutete auch, Fehler zu akzeptieren – und manchmal brachten Fehler natürlich Unbehagen mit sich. Es überrascht nicht, dass neue Methoden und Ansätze aufgrund mangelnder Erfahrung zunächst ungeschickt gehandhabt wurden. Gelegentlich ging eine neu erworbene Fähigkeit verloren, während eine Gemeinde von der Entwicklung einer anderen Fähigkeit ganz in Anspruch genommen war. Die besten Absichten zu haben schützt nicht vor falschen Schritten, und diese hinter sich zu lassen, erfordert sowohl Demut als auch Loslösung. Wenn eine Gemeinde entschlossen bleibt, Nachsicht zu üben und aus Fehlern zu lernen, die naturgemäß auftreten, ist Fortschritt nie außer Reichweite.

11 Auf halbem Weg in der Serie von Plänen begann die Beteiligung der Gemeinde am Leben der Gesellschaft mehr direkte Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Gläubigen wurden ermutigt, dies in zwei miteinander verbundenen Bereichen ihres Bemühens zu betrachten – sozialem Handeln und der Teilnahme an den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen. Dies waren natürlich keine Alternativen zur Ausbreitungs- und Festigungsarbeit, und erst recht keine Ablenkungen davon: Sie waren hiervon ein natürlicher Bestandteil. Je mehr menschliche Ressourcen einer Gemeinde zur Verfügung standen, desto größer wurde ihre Fähigkeit, die in Bahá’u’lláhs Offenbarung enthaltene Weisheit auf die Herausforderungen der Stunde anzuwenden, nämlich Seine Lehren in die Wirklichkeit umzusetzen. Und die problembeladenen Belange der Menschheit während dieser Zeitspanne schienen zu unterstreichen, wie verzweifelt sie des vom Göttlichen Arzt verschriebenen Heilmittels bedurfte. Hierin impliziert war eine Auffassung von Religion, die sich von den Vorstellungen, die in der Welt insgesamt vorherrschen, stark unterscheidet: eine Auffassung, die die Religion als die machtvolle Kraft anerkennt, die eine immer weiter fortschreitende Kultur vorantreibt. Allen war klar, dass eine solche Kultur auch nicht spontan von selbst erscheinen würde – es war die Mission der Anhänger Bahá’u’lláhs, für ihr Entstehen hart zu arbeiten. Eine solche Mission erforderte es, den gleichen Prozess systematischen Lernens auf die Arbeit des sozialen Handelns und des Engagements im öffentlichen Diskurs anzuwenden.

12 Aus dem Blickwinkel der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte betrachtet, hat die Fähigkeit zu sozialem Handeln deutlich zugenommen, was zu einem außerordentlichen Aufblühen von Aktivitäten geführt hat. Im Vergleich zu 1996, als von Jahr zu Jahr rund 250 soziale und wirtschaftliche Entwicklungsprojekte aufrechterhalten werden konnten, sind es jetzt 1.500, und die Zahl der Bahá’í-inspirierten Organisationen hat sich vervierfacht auf über 160. Jedes Jahr werden an der Basis mehr als 70.000 Initiativen für kurzfristiges soziales Handeln durchgeführt, was einer fünfzigfachen Vermehrung entspricht. Wir freuen uns auf eine weitere Steigerung all dieser Bemühungen, die sich jetzt aus der engagierten Unterstützung und Anregung durch die Bahá’í International Development Organization ergeben wird. Inzwischen ist auch die Beteiligung der Bahá’í an den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen enorm gewachsen. Neben den vielen Gelegenheiten, bei denen die Freunde feststellen, dass sie in Gesprächen in einem beruflichen oder persönlichen Kontext eine Bahá’í-Perspektive anbieten können, hat eine eher formelle Teilnahme an Diskursen erheblich zugenommen. Wir denken nicht nur an die stark erweiterten Bemühungen und immer anspruchsvolleren Beiträge der Bahá’í International Community, die in diesem Zeitraum Büros in Afrika, Asien und Europa eröffnete, sondern auch an die Arbeit eines stark erweiterten und verstärkten Netzwerks nationaler Büros für Außenbeziehungen, für die dieser Tätigkeitsbereich zum Mittelpunkt wurde. Darüber hinaus gab es in bestimmten Bereichen erkenntnisreiche und beachtenswerte Beiträge einzelner Gläubiger. All dies erklärt gewissermaßen die Wertschätzung, Anerkennung und Bewunderung, die Vordenker und andere prominente Persönlichkeiten auf allen Ebenen der Gesellschaft immer wieder für den Glauben, seine Anhänger und ihre Aktivitäten zum Ausdruck gebracht haben.

13 Wenn wir auf den gesamten Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren zurückblicken, sind wir überwältigt von den vielfältigen Fortschritten, die die Bahá’í-Welt in dieser Zeit gemacht hat. Ihr intellektuelles Leben blühte auf, wie es nicht nur die Fortschritte in allen bereits diskutierten Bereichen des Bemühens zeigen, sondern auch die von Bahá’í-Autoren veröffentlichte Menge an hochwertiger Literatur, die Entwicklung von Räumen für die Erforschung bestimmter Disziplinen im Lichte der Lehren und die Auswirkungen der Seminare für Studierende und Hochschulabsolventen, die systematisch vom Institute for Studies in Global Prosperity angeboten werden, das in Zusammenarbeit mit den Institutionen der Sache nun Bahá’í-Jugendlichen aus weit über 100 Ländern zur Verfügung steht. Die Bestrebungen zur Errichtung von Häusern der Andacht haben sich sichtbar beschleunigt. Der letzte Muttertempel wurde in Santiago de Chile errichtet, und es wurden Projekte zum Bau von zwei nationalen und fünf lokalen Mashriqu’l-Adhkár initiiert. Die Häuser der Andacht in Battambang, Kambodscha, und Norte del Cauca, Kolumbien, haben bereits ihre Türen geöffnet. Bahá’í-Häuser der Andacht, ob neu eingeweiht oder seit langem bestehend, nehmen immer mehr ihre Stellung im Herzen des Gemeindelebens ein. Die materielle Unterstützung der Gesamtheit der Gläubigen für die unzähligen Bemühungen der Freunde Gottes war und ist außerordentlich großzügig. Wenn man dies nur als Maßstab für die kollektive geistige Vitalität nimmt, dann ist die Großzügigkeit und Opferbereitschaft, mit denen in einer Zeit erheblicher wirtschaftlicher Umwälzungen der lebensnotwendige Geldfluss aufrechterhalten, ja, sogar belebt wird, besonders aussagekräftig. Im Bereich der Bahá’í-Administration hat die Fähigkeit der Nationalen Geistigen Räte, die Angelegenheiten ihrer Gemeinden in all ihrer wachsenden Komplexität zu verwalten, erheblich zugenommen. Sie haben insbesondere von neuen Dimensionen der Zusammenarbeit mit den Beratern profitiert, die maßgeblich dazu beigetragen haben, das Sammeln von Erkenntnissen an der Basis auf der ganzen Welt zu systematisieren und sicherzustellen, dass sie weit verbreitet werden. Dies war auch der Zeitabschnitt, in dem der Regionalrat der Bahá’í zu einer vollwertigen Institution der Sache wurde, und in mittlerweile 230 Regionen haben sich die Räte und die von ihnen betreuten Trainingsinstitute als unverzichtbar erwiesen, um den Wachstumsprozess voranzutreiben. Um die Funktionen des Haupttreuhänders für Ḥuqúqu’lláh, Hand der Sache Gottes ‘Alí-Muḥammad Varqá, in die Zukunft fortzuschreiben, wurde 2005 das Internationale Treuhänderamt für Huqúqu’lláh gegründet. Heute koordiniert es die Bemühungen von nicht weniger als 33 nationalen und regionalen Treuhänderämtern, die jetzt den Globus umschließen, und die ihrerseits die Arbeit von über 1.000 Bevollmächtigten leiten. Die Entwicklungen am Bahá’í-Weltzentrum im selben Zeitraum sind zahlreich: Davon zeugen die Fertigstellung der Terrassen am Schrein des Báb und zweier Gebäude am Bogen sowie der Beginn des Baus des Schreins von ‘Abdu’l-Bahá, ganz zu schweigen von einer Vielzahl von Projekten zur Verstärkung und Erhaltung der kostbaren Heiligen Stätten des Glaubens. Der Schrein Bahá’u’lláhs und der Schrein des Báb, Orte von unschätzbarer Bedeutung für die Menschheit, wurden als Weltkulturerbe anerkannt. Besucher strömten zu Hunderttausenden an diese heiligen Orte, und in manchen Jahren erreichte ihre Zahl fast eineinhalb Millionen. Das Weltzentrum begrüßte regelmäßig Hunderte von Pilgern zur gleichen Zeit, manchmal mehr als 5.000 pro Jahr, und zusätzlich eine ähnliche Anzahl von Bahá’í-Besuchern. Wir freuen uns gleichermaßen über die gestiegenen Zahlen wie auch darüber, dass sich unter denen, die an der Gnade der Pilgerreise teilhaben, so viele unterschiedliche Völker und Nationen finden. Die Übersetzung, Veröffentlichung und Verbreitung der Heiligen Texte wurde erheblich beschleunigt, parallel dazu die Entwicklung der Bahá’í-Referenzbibliothek, eines der bemerkenswertesten Elemente des wachsenden Netzes von Websites, die angebunden sind an Bahai.org; diese selbst steht jetzt in zehn Sprachen zur Verfügung. Es wurden verschiedene Büros und Agenturen eingerichtet, die sich am Weltzentrum und andernorts befinden, und die die Aufgabe haben, den Lernprozess in verschiedenen Bereichen der Bestrebungen der Bahá’í-Welt zu unterstützen. All dies, unsere Schwestern und Brüder im Glauben, ist nur ein Bruchteil der Geschichte, die wir erzählen könnten über das, was Ihre Hingabe an Den hervorgebracht hat, Der der Unterdrückte der Welt war. Wir können nur die ergreifenden Worte wiederholen, die der geliebte Meister einmal äußerte, als Er, von Seinen Gefühlen überwältigt, ausrief: „O Bahá’u’lláh! Was hast Du vollbracht?“

14 Ausgehend von der Gesamtschau über ein entscheidendes Vierteljahrhundert richten wir nun unseren Blick auf den jüngsten Fünfjahresplan, der sich in vielerlei Hinsicht von den vorangegangenen unterscheidet. In diesem Plan forderten wir die Bahá’í der Welt auf, all das zu nutzen, was sie im Verlauf der vergangenen zwanzig Jahre gelernt hatten, und es in vollem Umfang umzusetzen. Wir sind hoch erfreut darüber, dass unsere Hoffnungen in dieser Hinsicht mehr als erfüllt wurden, und obwohl wir natürlich Herausragendes von den Anhängern der Gesegneten Schönheit erwarten, war dennoch die Qualität dessen, was durch ihre Herkulesanstrengungen erreicht wurde, wirklich atemberaubend. Es war der krönende Abschluss einer Leistung, die sich über fünfundzwanzig Jahre erstreckte.

15 Der Plan war besonders denkwürdig, weil er durch die beiden Zweihundertjahrfeiern in drei Teile aufgeteilt wurde, Heilige Tage, deren jeder die örtlichen Gemeinden auf der ganzen Welt entflammte. Die Gemeinschaft der Gläubigen zeigte in einem nie zuvor erlebten Ausmaß die Fähigkeit, mit relativer Leichtigkeit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft darin einzubeziehen, das Leben einer Manifestation Gottes zu ehren. Dies war ein kraftvoller Indikator für etwas Größeres: die Fähigkeit, die Freisetzung enormer geistiger Energien für den Fortschritt der Sache zu kanalisieren. Die Resonanz war so großartig, dass der Glaube vielerorts auf nationaler Ebene plötzlich aus der Verborgenheit hervortrat. In Umfeldern, wo man es nicht erwartet, vielleicht nicht einmal in den Blick genommen hatte, zeigte sich eine ausgeprägte Empfänglichkeit für den Glauben. Tausende und Abertausende fühlten sich bewegt und erhoben durch ihre Begegnung mit dem Geist der Andacht, der heute für Bahá’í-Gemeinden überall charakteristisch ist. Die Vision dessen, was durch das Begehen eines Bahá’í-Feiertages möglich ist, wurde unermesslich erweitert.

16 Rein zahlenmäßig gesehen, stellten die Erfolge dieses Plans schnell diejenigen aller Pläne in den Schatten, die ihm seit 1996 vorausgegangen waren. Zu Beginn dieses Plans gab es die Kapazität für die Durchführung von etwas mehr als 100.000 Kernaktivitäten zu einem gegebenen Zeitpunkt, eine Kapazität, die das Ergebnis von zwanzig Jahren gemeinsamer Bemühungen war. Jetzt werden 300.000 Kernaktivitäten gleichzeitig aufrechterhalten. Die Zahl der Teilnehmer an diesen Aktivitäten ist auf über zwei Millionen gestiegen, was ebenfalls fast einer Verdreifachung entspricht. Es gibt 329 nationale und regionale Trainingsinstitute, und ihre Kapazität wird durch die Tatsache belegt, dass eine dreiviertel Million Menschen mindestens ein Buch der Kursfolge absolvieren konnte. Insgesamt beträgt die Anzahl der von Einzelpersonen absolvierten Kurse nun ebenfalls zwei Millionen – ein Anstieg von weit über einem Drittel in fünf Jahren.

17 Die zunehmende Intensität, mit der Wachstumsprogramme auf der ganzen Welt durchgeführt werden, erzählt eine eigene, beeindruckende Geschichte. In diesem Fünfjahreszeitraum hatten wir dazu aufgerufen, das Wachstum in jedem der 5.000 Cluster, in denen es begonnen hatte, zu beschleunigen. Dieser dringende Aufruf wurde zum starken Impuls für ernsthafte Bemühungen auf der ganzen Welt. In der Folge hat sich die Anzahl der intensiven Wachstumsprogramme mehr als verdoppelt und liegt nun bei rund 4.000. Schwierigkeiten bei der Eröffnung neuer Dörfer und Nachbarschaften für den Glauben inmitten einer globalen Gesundheitskrise oder bei der Ausweitung von Aktivitäten, die sich zu Beginn der Pandemie noch in einem frühen Stadium befanden, verhinderten, dass im letzten Jahr des Plans eine noch höhere Gesamtzahl erreicht werden konnte. Es gibt jedoch noch mehr zu erzählen als das. Zu Beginn des Plans hatten wir die Hoffnung geäußert, dass die Anzahl der Cluster, in denen die Freunde den dritten Meilenstein entlang eines Wachstumskontinuums überschritten haben würden, um weitere Hunderte wachsen würde, als Folge des erlangten Verständnisses davon, wie eine große Anzahl von Menschen mit offenen Armen in die Aktivitäten einbezogen werden können. Diese Zahl lag damals bei etwa 200, verteilt auf rund 40 Länder. Fünf Jahre später ist diese Zahl auf erstaunliche 1.000 in fast 100 Ländern angestiegen – ein Viertel aller intensiven Wachstumsprogramme der Welt und eine Leistung, die unsere Erwartungen weit übertrifft. Und doch reflektieren selbst diese Zahlen nicht die höchsten Höhen, zu denen sich die Gemeinde emporgeschwungen hat. Es gibt über 30 Cluster, in denen mehr als 1.000 Kernaktivitäten durchgeführt werden; stellenweise sind es mehrere tausend Aktivitäten, an denen mehr als 20.000 Menschen in einem einzigen Cluster beteiligt sind. Eine wachsende Anzahl örtlicher Geistiger Räte überblickt nun die Entfaltung von Bildungsprogrammen, die praktisch alle Kinder und Juniorjugendlichen in einem Dorf versorgen; die gleiche Realität zeichnet sich auch schon in einigen städtischen Nachbarschaften ab. Die Beschäftigung mit der Offenbarung Bahá’u’lláhs ist in bemerkenswerten Fällen über Einzelpersonen, Familien und die erweiterte Verwandtschaft hinausgegangen. Was sich beobachten lässt, ist die Bewegung ganzer Bevölkerungsgruppen auf einen gemeinsamen Mittelpunkt zu. Manchmal lassen gegnerische Gruppen uralte Feindseligkeiten hinter sich, und bestimmte gesellschaftliche Strukturen und Dynamiken werden im Lichte der göttlichen Lehren verwandelt.

18 Wir können nicht anders, als überglücklich über derartig beeindruckende Fortschritte zu sein. Die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens Bahá’u’lláhs kommt immer deutlicher zum Ausdruck, und dies ist eine solide Grundlage, auf der der kommende Neunjahresplan aufbauen wird. Cluster von ausgeprägter Stärke haben sich, wie erhofft, als Reservoir an Wissen und Ressourcen für ihre Nachbarcluster erwiesen. Und Regionen, in denen mehr als ein solcher Cluster existiert, haben mit größerer Leichtigkeit die Mittel dafür entwickelt, das Wachstum in einem Cluster nach dem anderen zu beschleunigen. Wir fühlen uns jedoch veranlasst erneut zu betonen, dass der Fortschritt nahezu universell war; der Unterschied im Fortschritt zwischen einem Ort und einem anderen ist nur einer des Grades. Das kollektive Verständnis der Gemeinde für den Prozess des Beitritts in Scharen und ihr Vertrauen, diesen Prozess unter allen nur denkbaren Umständen beflügeln zu können, haben ein Niveau erreicht, wie es in den vergangenen Jahrzehnten unvorstellbar war. Die tiefgreifenden Fragen, die schon so lange schwelten und die 1996 scharf in den Fokus gerückt wurden, sind von der Bahá’í-Welt überzeugend beantwortet worden. Es gibt nun eine Generation von Gläubigen, deren gesamtes Leben durch den Fortschritt der Gemeinde geprägt wurde. Aber das schiere Ausmaß dessen, was in den zahlreichen Clustern geschehen ist, in denen die Horizonte des Lernens ständig erweitert werden, hat den erheblichen Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen in einen bedeutsamen Prozess von historischem Ausmaß verwandelt.

19 Viele werden wissen, wie der Hüter die Zeitalter des Glaubens in aufeinanderfolgende Epochen unterteilt hat; die fünfte Epoche des Gestaltenden Zeitalters begann 2001. Weniger bekannt ist, dass der Hüter auch ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass es Epochen des Göttlichen Plans und Etappen innerhalb dieser Epochen gibt. Der von ‘Abdu’l-Bahá konzipierte Göttliche Plan, der zwei Jahrzehnte lang ruhte, während örtliche und nationale Organe der Gemeindeordnung errichtet und gestärkt wurden, wurde 1937 mit dem Beginn der ersten Etappe seiner ersten Epoche offiziell eröffnet: mit dem Siebenjahresplan, den der Hüter der nordamerikanischen Bahá’í-Gemeinde zugewiesen hatte. Diese erste Epoche endete mit dem Abschluss des Zehnjahres-Kreuzzugs im Jahr 1963, der dazu geführt hatte, dass das Banner des Glaubens auf der ganzen Welt errichtet wurde. Die Eröffnungsetappe der zweiten Epoche war der erste Neunjahresplan, gefolgt von nicht weniger als zehn Plänen – Plänen mit einer Laufzeit von zwölf Monaten bis sieben Jahren. Bei Anbruch dieser zweiten Epoche erlebte die Bahá’í-Welt bereits die frühesten Anfänge dieses Beitritts in Scharen in den Glauben, wie er vom Urheber des Göttlichen Plans vorausgesehen worden war. In den folgenden Jahrzehnten haben Generationen hingebungsvoller Gläubiger in der Gemeinde des Größten Namens hart im Göttlichen Weinberg gearbeitet, um die Bedingungen für ein nachhaltiges Wachstum in großem Maßstab zu schaffen. Und zu dieser herrlichen Riḍván-Zeit, wie reichlich sind die Früchte dieser harten Arbeit! Das Phänomen einer beträchtlichen Anzahl von Menschen, welche die Aktivitäten der Gemeinde anschwellen lassen, den Funken des Glaubens auffangen und sich sogleich erheben, um in der vordersten Reihe des Plans zu dienen, hat sich von einer von Glauben getragenen Erwartung zu einer sich wiederholenden Realität entwickelt. Solch ein ausgeprägter und nachweisbarer Fortschritt verlangt danach, in den Annalen der Sache hervorgehoben zu werden. Mit begeisterten Herzen verkünden wir, dass die dritte Epoche des Göttlichen Plans des Meisters begonnen hat. Etappe für Etappe, Epoche nach Epoche, wird sich Sein Plan entfalten, bis das Licht des Königreichs jedes Herz erleuchtet.

20 Geliebte Freunde, keine Rückschau auf das fünfjährige Unterfangen, das die zweite Epoche des Göttlichen Plans zum Abschluss gebracht hat, wäre vollständig, ohne dass auf die Umwälzungen hingewiesen wird, die mit seinem letzten Jahr einhergingen und immer noch andauern. Die Einschränkungen in den persönlichen Interaktionen, die in den meisten Ländern in diesem Zeitraum ständig zunahmen und wieder abnahmen, hätten den kollektiven Bemühungen der Gemeinde einen schweren Schlag versetzen können, und sich davon zu erholen, hätte vermutlich Jahre beansprucht. Aber es gibt zwei Gründe, warum dies nicht der Fall war. Ein Grund war das weit verbreitete Bewusstsein der Bahá’í für ihre Verpflichtung, der Menschheit zu dienen, und dies umso mehr in Zeiten der Gefahr und Drangsal. Der andere war der außerordentliche Anstieg der Fähigkeit in der Bahá’í-Welt, diesem Bewusstsein Ausdruck zu verleihen. Über viele Jahre daran gewöhnt, systematische Handlungsmuster anzuwenden, brachten die Freunde ihre Kreativität und ihr Zielbewusstsein in einer unvorhergesehenen Krise zum Tragen. Gleichzeitig stellten sie sicher, dass die neuen Ansätze, die sie entwickelten, mit dem Rahmenwerk kohärent waren, das sie sich bemüht hatten, in aufeinanderfolgenden Plänen zu vervollkommnen. Dabei sollen keineswegs die großen Nöte übersehen werden, die die Bahá’í, wie auch ihre Landsleute in jedem Land, ertragen müssen. Aber inmitten dieser ernsthaften Schwierigkeiten behielten die Gläubigen das Ziel im Auge. Ressourcen wurden an bedürftige Gemeinden weitergeleitet, Wahlen wurden durchgeführt, wo immer dies möglich war, und unter jeglichen Umständen haben die Institutionen der Sache ihre Pflichten weiterhin erfüllt. Es gab sogar kühne Schritte nach vorn. Der Nationale Geistige Rat von São Tomé und Príncipe wird an diesem Riḍván wiedergebildet, und zwei neue Säulen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit werden errichtet: der Nationale Geistige Rat von Kroatien mit Sitz in Zagreb und der Nationale Geistige Rat von Timor-Leste mit Sitz in Dili.

21 Und so beginnt der Einjahresplan. Sein Ziel und seine Anforderungen wurden bereits in unserer Botschaft zum Tag des Bundes dargelegt. Obwohl dieser Plan kurz ist, wird er ausreichen, um die Bahá’í-Welt auf den darauf folgenden Neunjahresplan vorzubereiten. Eine Periode besonderer Wirkkraft, die einhundert Jahre nach der Offenbarung der Sendschreiben zum Göttlichen Plan eröffnet wurde, endet bald mit dem hundertsten Jahrestag des Hinscheidens von ‘Abdu’l-Bahá und markiert den Abschluss des ersten Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters und den Beginn des zweiten. Die Gemeinschaft der Gläubigen tritt in diesen neuen Plan ein zu einer Zeit, in der die Menschheit – geläutert durch die Offenlegung ihrer Verwundbarkeit – ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit von Zusammenarbeit zur Bewältigung globaler Herausforderungen entwickelt zu haben scheint. Die anhaltenden Gewohnheiten von Konkurrenzdenken, Eigeninteressen, Vorurteilen und Engstirnigkeit behindern jedoch nach wie vor die Bewegung hin zur Einheit, obwohl immer mehr Menschen in Wort und Tat zeigen, wie auch sie sich nach einer größeren Akzeptanz der Einheit sehnen, die der Menschheit innewohnt. Wir beten darum, dass es der Familie der Nationen gelingt, im Interesse des Gemeinwohls ihre Differenzen beizulegen. Ungeachtet der Ungewissheiten, die auf den kommenden Monaten lasten, bitten wir Bahá’u’lláh, die Bestätigungen, durch die Seine Anhänger so lange getragen wurden, noch reicher strömen zu lassen, damit Sie in Ihrer Mission weitergebracht werden und Ihre Gelassenheit unberührt bleibt von den Turbulenzen einer Welt, deren Bedürfnis nach Seiner heilenden Botschaft immer drängender wird.

22 Der Göttliche Plan tritt in eine neue Epoche und in eine neue Etappe ein. Die neue Seite ist aufgeschlagen.

 

Windows / Mac